Ich nahm das Angebot von Bücherzauber e.V. an, meine Bücher am Gemeinschaftstand mit auszustellen, und konnte so mit überschaubaren Kosten an meiner ersten großen Buchmesse teilnehmen.
Doch bevor ich mich mit meiner Frau auf die Reise nach Leipzig begab, habe ich mir das gewaltige Potenzial dieser gigantischen Messe ausgerechnet (siehe Größe zählt … nicht? Kleine und große Buchmessen im Vergleich).

Wir betreuten den Stand am Samstag und Sonntag. Da ich als Vereinsmitglied nicht als echter “Aussteller” galt, mussten wir mit dem gemeinen Volk ganz normal Schlange stehen.

Mein Fazit als Besucher
Für meine Lese-Interessen (z.B. Science-Fiction) gab es auf dieser Buchmesse nicht allzu viel, oder wenn doch, dann habe ich es nicht gefunden. Ich hatte von den großen Verlagen, die SF veröffentlichen, mehr erwartet. Die großen Stände, an denen sich lange Schlangen bildeten, waren hauptsächlich für Romance+ bestimmt (also Romance + Fantasy u.a.).

Ein Problem war auch die komplizierte Suche im Veranstaltungskalender der Messe. Es gab keine einfache Übersicht darüber, was in einer Halle passierte, das musste man sich mit Filtern selber zurechtbasteln – und das klappte nicht immer.
Besser bedient wurde mein Interesse an Jugendliteratur, die ja oft auch im Science-Fiction-Genre angesiedelt ist. In Halle 3 war gleich nebenan von unserem Stand der Lese-Treff, wo bekannte Autorinnen und Autoren wie Ursula Poznanski oder Paul Maar lasen.


Generell fand ich die Lesungen im Lese-Treff sehr schön. Als besonders sympathisch blieb mir die Autorin von “Sister Spirit” im Gedächtnis.


Thriller-Fans freuten sich über die Signierstunde von Sebastian Fitzek (in einer anderen Halle).
Mein Fazit als Autor
Ich habe mich sehr auf meine Lesung im Lese-Treff gefreut, saßen doch kurz vor mir wirklich bekannte Autorinnen und Autoren dort. Es hat mir viel Spaß gemacht, eines meiner Bücher dort ausgiebiger vorzustellen, als es am Stand möglich gewesen wäre.
Ich sichtete im Publikum circa acht Jugendliche im passenden Alter und war erfreut, dass vier von ihnen das Buch so interessant fanden, dass sie sich ein signiertes Exemplar kauften.

Mein Fazit als Verlag
Theorie trifft auf Realität
Ich hatte ausgerechnet, dass wir 1.018 Besucher am Tag an unserem Gemeinschaftsstand erwarten konnten. Ich habe unsere Besucher nicht gezählt, aber meinem Gefühl nach waren es nicht so viele.

Konkrete Zahlen habe ich nur bei den Verkäufen – und mit 14 verkauften Büchern war die LBM leider weniger erfolgreich als jede andere kleine Buchmesse.
Ein vorhandenes Potenzial führt also nicht in jedem Fall zu den geschätzten Besuchen, denn eine Sache hat meine Durchschnittsberechnung nicht berücksichtigt:
Viele Besucher verhalten sich in Summe wie eine Herde und folgen der Masse durch ausgetretene Trampelpfade.
Und wenn es irgendwo ein besonders cooles Ziel gibt, dann folgen auch die Massen ihrem Vordermann dorthin. Bei meinen Streifzügen über die Leipziger Buchmesse konnte ich dieses Verhalten live beobachten – auch an mir selbst.
Die Stände links und rechts verschwammen förmlich in meiner Peripherie, was mit den permanenten Hintergrundgeräuschen zu einer dauerhaft spürbaren Geräuschkulisse verschmolz. Ohne die Möglichkeit, Kundenstopper aufzustellen oder irgendwie anders aus der Masse herauszustechen, hat man als Aussteller nur wenige Chancen. Die Massen steuern die bunten und leuchtenden Ziele an – und das wie Wasser auf dem Weg des geringsten Widerstandes, d.h., auch der schönste Stand hat schlechte Karten, wenn er abgelegen liegt (Lage, Lage, Lage). Problematisch war in dem Zusammenhang auch die Teilung des Kinderbuchbereichs auf zwei Hallen, was bei vielen Verlegern und Besuchern zu Frust führte.
Mein Realitäts-Fazit zu großen Messen ist daher, dass man bei einer Teilnahme erwägen sollte, groß aufzutreten, d.h. an einem großen, schönen, auffälligen Stand an einem gut frequentierten Ort. Nur dann kann man das Potenzial einer großen Messe voll ausschöpfen.
Sind große Messen für kleine Verlage sinnlos?
Ich denke, dass nur weil man einen winzigen, unauffälligen Stand in einem abgelegenen Bereich hat, das nicht bedeutet, dass man vor Einsamkeit vergehen muss. Die Sticker-Aktion des Schöne Bücher Netzwerks hat viele Besucher motiviert, auch in entlegene Gebiete vorzudringen – und vielen Autoren ist es sicherlich auch gelungen, ihre Fanbase über die sozialen Netzwerke zu einem Besuch zu motivieren. Viele Besucherinnen und Besucher haben auch nicht den Weg des geringsten Widerstandes gewählt, sondern sind zielgerichtet zu ihrem Lieblingsort gepilgert – mit teils sehr hohem Aufwand wie langem Anstehen.
Sehr positiv fand ich die Kontakte zu meinen altbekannten Kolleginnen und Kollegen aus der Verlagsbranche, allen voran Steffi Bieber-Geske von Bücherzauber e.V., die unseren Stand aufgebaut und die ganze Zeit über mit ihrer Schwester Kathi betreut hat, sodass meine Frau und ich genug Zeit hatten, uns die Messe anzuschauen.


Ich danke Steffi und ihrer Schwester für ihren tollen Einsatz, Leipzig hat uns auch Dank Euch sehr viel Spaß gemacht. Letzten Endes zählt bei solchen Veranstaltungen nicht das Erreichen von kalten Kennzahlen, es sind die soften Ziele, die Spaß machen.