Folgende Fragen stelle ich mir:
- Kann ich bei einer Messe mit unfassbar hohen Besucherzahlen auch mit unfassbar hohen Besucherzahlen an meinem Stand rechnen?
- Würden die hohen Kosten sich durch hohe Einnahmen ausgleichen?
Schon die kleinen Messen spielen ihre Kosten nur selten wieder rein, doch wenn man auf einer kleinen Messe wie der Buch Berlin mit 4.500 Besuchern 10 Bücher verkauft, müsste man dann auf einer Messe mit 230.000 Besuchern nicht ein Vielfaches davon verkaufen, in meinem Fall also 500 Bücher?
Welche Vor- und Nachteile haben kleine und große Buchmessen?
Große Buchmessen
Vorteile:
- Internationale Reichweite: Kontakte und Geschäfte weltweit möglich.
- Umfangreiches Programm: Viele Lesungen, Workshops, Diskussionen.
- Hohe Medienpräsenz: Mehr Aufmerksamkeit für Aussteller.
Nachteile:
- Hohe Kosten: Standmieten, Personal und Unterkunft teuer.
- Anonymität: Kleine Aussteller gehen leicht unter.
Kleine Buchmessen
Vorteile:
- Persönliche Atmosphäre: Intensiver Austausch mit Besuchern.
- Geringere Kosten: Günstiger für kleine Verlage und Indie-Autoren.
- Gezielte Zielgruppenansprache: Stärkung lokaler Netzwerke.
Nachteile:
- Begrenzte Reichweite: Weniger mediale und internationale Aufmerksamkeit.
- Weniger Programm: Kleinere Veranstaltungen, aber oft fokussierter.
Potenzialabschätzung
Das hat ChatGPT schön für mich zusammengefasst, aber jetzt möchte ich es genauer wissen – ich will mit konkreten Zahlen rechnen!
Messe | Besucherzahl | Mögliche Besuche | Anzahl Aussteller | Messedauer in Tagen |
Leipziger Buchmesse | 283.000 | 8.490.000 | 2.085 | 4 |
Frankfurter Buchmesse | 230.000 | 6.900.000 | 4.300 | 5 |
Buch Berlin | 4.500 | 135.000 | 300 | 2 |
Berliner Bücherfest | 20.000 | 600.000 | 100 | 2 |
Besucherzahl, Ausstellerzahl und Messedauer stammen von den Veranstaltern für das Jahr 2024.
Das Potenzial der möglichen Besuche
Um die umkämpfte “Ressource” Besucher besser in der kommenden Potenzialabschätzung nutzen zu können, rechne ich sie um in eine maximal mögliche Anzahl von Standbesuchen.
Es ist klar, dass ein Besucher, egal welchen Alters und Fitnesslevels, niemals alle Stände auf einer Buchmesse besuchen können wird, wenn wir davon ausgehen, dass ein “Besuch” mindestens 5 Minuten dauern sollte, um irgendeinen Nutzen für den Aussteller zu haben.
Wenn man die 8 Stunden eines Messetages ausschließlich für 5-Minuten-Besuche nutzen würde, hätte ein Besucher das Potenzial für 96 Besuche. Das ist die Theorie, doch ein realer Mensch benötigt auch Pausen, möchte Lesungen besuchen oder einfach nur etwas essen – oder er benötigt die Zeit für Schlange stehen. Manch ein Besucher kommt auch später oder geht früher.
Ich schätze, dass ein durchschnittlicher Besucher 30 Stände besuchen kann, ohne vor Erschöpfung zusammenzubrechen. Ob diese Annahme korrekt ist oder nicht, wird das Ergebnis der kommenden Berechnung nicht verfälschen, denn die Annahme verfälscht dann das Ergebnis für alle Messen in dieselbe Richtung.
Damit habe ich den Besucher als begrenzenden Faktor einkalkuliert. Nicht berücksichtigt habe ich die realen Begrenzungen durch das Standpersonal, denn sollten bei der Kalkulation astronomische Werte bei den möglichen Besuchen entstehen, dürften diese vom Personal nicht bewältigt werden können – und auch die Fläche dürfte nicht ausreichen.
Kosten
Folgende Kosten entstehen für einen kleinen Stand bei meinen Beispiel-Messen (Zahlen von 2025):
Leipziger Buchmesse | Kleinststand S 4qm | 888,00 € |
Frankfurter Buchmesse | Reihenstand 4 qm | 1.540,00 € |
Buch Berlin | Reihenstand 2m (Tiefe 2m) = 4qm | 306,00 € |
Berliner Bücherfest | Berliner Bücherfest Standardstand, kein Mitglied im Börsenverein | 300,00 € |
Durchschnittliche Besucher am Tag
Die durchschnittlichen Besucher am Tag berechne ich nach dieser Formel:
Ø Besucher pro Aussteller am Tag = Mögliche Besuche / Anzahl der Aussteller / Messetage
Aus den Kosten pro Tag ergeben sich dann die Kosten pro Besuch, vorausgesetzt, man erreicht auch die Besucherzahlen am Stand.
Messe | Ø Besucher pro Aussteller am Tag | Kosten pro Tag | Kosten pro Besuch |
Leipziger Buchmesse | 1.018 | 222,00 € | 0,22 € |
Frankfurter Buchmesse | 321 | 308,00 € | 0,96 € |
Buch Berlin | 225 | 153,00 € | 0,68 € |
Berliner Bücherfest | 3.000 | 150,00 € | 0,05 € |
Fazit zur Theorie
Große Messen können theoretisch “günstiger” sein als kleine Messen, wie meine Berechnung zeigt. Mit 22 Cent ist die Leipziger Buchmesse pro hypothetischem Standbesucher sogar vergleichsweise günstig. Und auch das Berliner Bücherfest ist als eine Buchmesse mit kostenlosem Eintritt in einer Weltmetropole an einem Ort, an dem sehr viele Einheimische und Touristen unterwegs sind, sehr günstig, jedoch werden hier die Belastungsgrenzen beim Standpersonal mehr als überschritten – zumindest in der Theorie. Da das bei meinen früheren Teilnahmen nicht passiert ist, kommen mir langsam Zweifel an meiner theoretischen Berechnung. Jetzt bin ich gespannt, wie es in Leipzig laufen wird.
In meinem Erlebnisbericht unterziehe ich meine hier getroffenen Berechnungen dem Realitätscheck – mit klarem Ergebnis.